Diagnostik

Anamnese

Bei einer frischen Verletzung sollte nach einem evtl. Krachen oder Knacken gefragt werden. Auch die Schilderung des Unfallmechanismus (z.B. Valgus-Flexions-Außenrotationtrauma, besonders beim Fußball und beim Skifahren) kann bereits zur richtigen Verdachtsdiagnose führen. Häufig berichten die Betroffenen von einem rasch innerhalb der ersten 6 Stunden auftretenden Kniegelenkschwellung.

Klinische Untersuchung

Aufgrund ihrer zentralen Lage im Gelenk bleiben die Kreuzbänder der Palpation unzugänglich und müssen daher mittels Funktiontests beurteilt werden. Zur Beurteilung der isolierten vorderen Kreuzbandruptur gilt der Lachmann-Test als besonders empfindlich. Hierbei wird die vordere Schublade der Tibia durch vordere Subluxation der Tibia gegenüber dem fixierten Femur in Strecknähe bei 20° Beugung überprüft. Gleichzeitig wird die Qualität des vorderen Anschlags als "fest" oder "weich" beurteilt.

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Lachmann-Test

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Translation der Tibia nach vertral bei 20-30° gebeugtem Kniegelenk

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Beim stabilen passiven Lachmann-Test dient der Oberschenkel des Untersuchers, auf dem der Oberschenkel des Patienten aufliegt als zusätzliches Widerlager.

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Stabiler passiver Lachmann-Test

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Mit unterlagertem Oberschenkel wird eine stabilisierte Lagerung des verletzten Kniegelenkes erreicht.

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Weniger spezifisch als der Lachmann-Test ist der passive Schubladentest in 90° Flexion. Die Untersuchung erfolgt bei 90° Kniebeugung mit flach auf der Liege aufsetzender Fußsohle des Patieten, die durch den Oberschenkel des Untersuchers fixiert wird. Der Tibiakopf wird mit beiden Händen umfaßt und bei entspannter Beugemuskulatur nach ventral gezogen.

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Passiver Schubladentest in 90° Flexion

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Translokation des Tibiakopfes bei 90° Beugung

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Zusätzlich kann der passive Schubladentest in Innen- bzw. Außenrotation zur Beurteilung des lateralen oder medialen Kapselbandapparates durchgeführt werden. Das Pivot-shift-Zeichen ist für isolierte oder kombinierte vordere Kreuzbandinsuffizienzen pathognomonisch. Die Ferse des auf dem Rücken liegenden Patienten wird gefaßt, das gestreckte Bein unter Rotation des Unterschenkels nach innen angehoben. Die andere Hand des Untersuchers erzeugt durch Druck gegen den Oberschenkel proximal des Kniegelenkes einen Valgusstreß. Ist bei langsamer Beugung des Kniegelenkes bei ca. 20°-30° Flexion ein deutlich sicht- und hörbares Schnapp-Phänomen auslösbar, weist dies auf eine Verletzung des vorderen Kreuzbandes hin.

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Pivot-shift-Zeichen

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  1. ventrale Subluxation des lateralen Tibiaanteils in extensionsnaher Streckstellung
  2. bei zunehmender Kniebeugung sichtbare Reposition der lateralen Tibia bei vorderer Kreuzbandinsuffizien

Ein echtes Pivot-shift-Phänomen kann trotz VKB-Insuffizienz teilweise verschwinden:
bulletwenn eine vollständige mediale Seitenbandruptur vorliegt,
bulletwenn der Tractus iliotibialis durchtrennt ist,
bulletwenn eine Korbhenkel-Läsion des medialen oder lateralen Meniskus die vordere Tibiatranslation verhindert,
bulletwenn eine zunehmende Arthrose im lateralen Kompartiment mit osteophytärer Apposition das ehemals konvexe laterale Plateau konkav werden läßt.
Bei frischen Distorsionstraumen des Kniegelenkes mit Gelenkerguß ist die Punktion angezeigt.

Ein Hämarthros ist hierbei hinweisend auf eine Zerreißung von Kapselbandstrukturen oder einen basisnahen Meniskusriß. Sind dem Hämarthros Fettaugen aufgelagert, besteht der Verdacht auf eine knöcherne Verletzung (Fettmark) oder Quetschverletzungen des Hoffaschen Fettkörpers.

Bildgebende Untersuchung

Zum Ausschluß knöcherner Begleitverletzungen, beispielsweise Tibiakopffrakturen oder knöcherner Bandausrisse, sollten Röntgenaufnahmen des Kniegelenkes in zwei Ebenen angefertigt werden. Auch manuell oder apparativ gehaltene Röntgenaufnahmen in maximaler Kniegelenksfehlstellung können sinnvoll sein. Bei Verdacht auf einen knöchernen Kreuzbandausriss sollte eine Tunnel-Aufnahme (Frik-Aufnahme) angefertigt werden. In dieser Spezialeinstellung kommen die dorsalen Femurkondylen, die Fossa intercondylica, die Interkondylenhöcker und das Tibiamassiv zur Darstellung. Zusätzlich sind Artikulation und Kongruenz der Gelenkflächen beurteilbar. MRI-Aufnahmen erlauben eine sehr gute Beurteilung der Kreuzbänder sowie von Begleitverletzungen, z.B. Meniskus- oder Knorpelschäden.


Ruptur des vorderen Kreuzbandes (MRI) I+II
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Darstellung der Ruptur des vorderen Kreuzbandes anhand von MRI-Aufnahmen


Bei kompletten Rupturen des vorderen Kreuzbandes liegt die Trefferquote bei ca. 95%. Beim posttraumatischen Hämarthros mit Verdacht auf VKB-Ruptur kann eine Arthroskopie zur Objektivierung des vorderen Kreuzbandschadens und von Begleitverletzungen erforderlich sein

normales vorderes (ACL) und hinteres (PCL) Kreuzband bei der Arthroskopie
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partiale Ruptur des vorderen Kreuzbandes
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komplette frische Ruptur des vorderen Kreuzbandes
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komplette alte Ruptur des vorderen Kreuzbandes
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Copyright © 1999 Prof.Dr.J.Jerosch