Rehabilitation
| Für Qualität des Behandlungsergebnisses ist die funktionelle Nachbehandlung von entscheidender Bedeutung. |
Bisherige Rehabilitationsprogramme beinhalteten, daß zum Schutz des rekonstruierten vorderen Kreuzbandes die volle Streckung vermieden werden mußte. Nach neueren Erkenntnissen führt eine beschleunigte Rehabilitation mit Betonung der sofortigen vollen Streckung zu signifikant besseren Ergebnissen. Das frühzeitige Herbeiführen der Streckung senkt deutlich das Risiko der Entwicklung eines späteren Streckdefizits und der Entwicklung eines Zyklops-Syndroms (tumoröse fibrotische Verdickung über dem Kreuzband gelegen).
Ein muskuläres Aufbautraining ist in der postoperativen Phase essentiell. Reine Kräftigungsübungen des M. quadrizeps in einer offenen Bewegungskette führen jedoch zu ganz erheblichen Belastungen des Kreuzbandtransplantates.
Übungen mit einer geschlossenen Bewegungskette - d.h. mit Fixation des distalen Segmentes wie z.B. beim Kniebeugen - reduzieren die Transplantatbelastung. Besonders geeignet scheinen geschlossene Übungsformen im Sinne von halben Kniebeugen, normalem Gehen unter Vollbelastung, Übungen mit der Beinpresse und Treppensteigen. Wichtig ist die Kokontraktion von Quadrizeps, ischiocruraler Muskulatur und M. gastrocnemius.
Während früher im Rahmen der funktionellen Kniebandverletzungen hauptsächlich auf die motorischen Hauptbeanspruchsformen Kraft und Ausdauer abgezielt wurde, zeigt sich in letzter Zeit zunehmend die Wichtigkeit der koordinativen Fähigkeiten. Diesen Fähigkeiten liegt die Tiefensensibilität (Propriozeption) zugrunde. Die hierfür verantwortlichen Mechanorezeptoren im vorderen und hinteren Kreuzband, in den Meniskus- und Seitenbändern und auch im Hoffaschen Fettkörper sichern als neurophysiologischer Feedback-Mechanismus den physiologischen Bewegungsablauf des Kniegelenkes. Die propriozeptiven Fähigkeiten sind bei einer Ruptur des vorderen Kreuzbandes deutlich herabgesetzt und führen zu feinmotorischen und koordinativen Schwierigkeiten trotz völlig stabilem Kniegelenk und gut aufgebauter Muskulatur. Zur Verbesserung der propriozeptiven Fähigkeiten und damit des Schutzmechanismus sollte eine spezielle Schulung im Rahmen der Rehabilitation erfolgen. Auch elastische Kniebandagen und Orthesen scheinen einen positiven Einfluß auf die gestörte Propriozeption zu haben. Insgesamt dauert die Rehabilitationsphase durchschnittlich 9-12 Monate, bevor eine Sportfähigkeit erreicht ist. Nach etwa 2-3 Monaten kann jedoch ein Konditionstraining in Form von Schwimmen oder Radfahren aufgenommen werden.
Als Richtlinien für die Wiederaufnahme der vollen
sportlichen Belastungen gelten:
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